Vorbereitung ist alles?

Man kann sich noch so gut vorbereiten, gewissenhaft trainieren, sich ausgewogen ernähren, die Geschwindigkeit planen und sich mit Verpflegung für den Wettkampf ausstatten, lässt man sich im Rennen zu Fehlern verleiten, wird es trotzdem nichts. Was für Fehler das sind und welche ich davon am vorletzten Wochenende gemacht habe, werdet ihr im folgenden Artikel erfahren.

Gut geschlafen

Mit großer Sorgfalt habe ich mich auf den Hamburg Marathon 2019 vorbereitet und seit November kein Training ausfallen lassen. Ich war zwar etwas aufgeregt, konnte aber die Nacht vorher trotzdem gut schlafen und bin erholt und in bester Verfassung morgens aufgewacht. Da ich meine Startnummer bereits am Vortag abgeholt hatte, konnte ich am Morgen des Rennens in aller Ruhe meine 50g Haferflocken mit einer Banane zu mir zu nehmen und mich ohne Stress zu den Messehallen begeben.

Kein Stress vor dem Start

Im ersten Moment war ich etwas überrascht, wie viele Menschen im Messegelände waren. In jeder Ecke zog sich jemand um, überall machten Läufer Dehnübungen oder liefen kleine Strecken auf und ab um sich aufzuwärmen. Vor den Toiletten waren die Schlangen sehr lang, denn nicht nur ich wollte ohne unnötigen Ballast ins Rennen gehen. Trotzdem musste man weder lang auf ein freies WC warten, noch gab es Stress bei der Kleiderabgabe. Die ca 17.000 Marathonis wurden in verschiedene Startblöcke gelotzt, sodass man sich um 9:15 auf der Strecke befand und 15 Minuten später bloß noch loszurennen brauchte.

Start Hamburg Marathon 2019

Das erste Drittel reibungslos

9:30 endlich gehts los, die Menge kommt langsam in Bewegung und rennt über den roten Teppich, der im Startkorridor ausgelegt ist. Ein bisschen drängelig ist es schon aber das stört kein bisschen. Ich versuche zu lächeln, denn am Straßenrand stehen dicht gedrängt jubelnde Menschen und feuern den rennenden Pulk an. Da sehe ich auch schon den gelben Luftballon auf dem meine Zielzeit steht. Die Tempomacher laufen mit großen Ballons hinter sich, damit man in etwa weiß, wie schnell man laufen muss, um eine bestimmt Zeit zu schaffen. 3:15:00 steht auf dem Luftballon dem ich brav und ganz nach Plan hinterherlaufe.

Vorbereitung Haspa Marathon 2019

Zu viel Koffein

Ich bin es gewohnt viel Kaffee zu trinken und vor anstrengenden Einheiten oder Wettkämpfen auch mal eine Koffein-Tablette einzunehmen. Am Morgen vor dem Marathon tat ich das ebenfalls und fühlte mich damit auch wunderbar. Leider machte ich den Fehler in meiner Trinkflasche eine weitere Koffein-Tablette aufzulösen. Diese zusätzliche Dröhnung kombiniert mit den jubelnden Menschen am Straßenrand, versetzt mich in einen so starken Laufrausch, dass ich auf Kilometer 12 mein geplantes Renntempo steigere. Euphorisch weiche ich ein letztes Mal dem im Wind tanzenden gelben Ballon aus und überhole den Tempomacher auf Höhe des Hamburger Fischmarkts.

Zweites Drittel geflogen

Ohne die gelbe Bremse renne ich wie angestochen und schaue jetzt auch nicht mehr auf meine Uhr, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Meine Tempovorgabe von 4:40 min/km ist mir völlig egal, sodass ich bei Kilometer 21 sogar meine Halbmarathon-Bestzeit um 30 Sekunden verbessere. Hochmütig verteile ich High-Fives an die Zuschauer und sehe mich in Gedanken schon unter drei Stunden ins Ziel einlaufen. Ich lasse mir Wasser reichen und lutsche fröhlich meine Energie-Gels. Keine Krämpfe, keine Schmerzen, keine Blasen, nicht mal das schlechte Wetter stört mich.

Haspa Marathon erstes Drittel
Haspa Marathon 2019

Ausgelaufen

Bei Kilometer 30 werde ich dann etwas langsamer, bei 31 noch langsamer und bei Kilometer 32 bin ich so langsam, dass der Mann mit dem Hammer leichtes Spiel hat mich zu treffen. Er hat sogar Zeit richtig auszuholen und mit voller Kraft auf meine Oberschenkel zu schlagen. Schmerzen aus anderen Wettkämpfen oder harten Trainingseinheiten sind mir ja bekannt aber was ist das denn? Die Vorderseiten meiner Oberschenkel fühlen sich an, als würde sich die Muskelstränge mit jedem Schritt ein wenig mehr ablösen. Ich schaue hinunter, um nach einblutungen zu sehen, da ist aber nichts. Jedenfalls nicht an den Beinen. Die Klebestreifen auf meinen Brustwarzen mussten sich irgendwann abgelöst haben, denn der gelbe Punkt auf meiner Startnummer, der sich etwa auf Brusthöhe befand, ist inzwischen rot geblutet. Zum Glück überdecken meine völlig übersäuerten Oberschenkel alle anderen Schmerzen.

Zum Schluss musste ich sogar gehen

Einen Moment empfand ich als besonders schmerzhaft: Als etwa auf Kilometer 38 der gelbe Ballon, den ich zu Beginn leichtsinnig hinter mir ließ, an mir vorbeigeschossen kommt, weiß ich meine Zielzeit verfehlt zu haben. Ich habe große Mühe einen Fuß vor den anderen zu setzen und humpel mit etwa 6:00 min/km vor mich hin. Das erste Mal muss ich meinen Lauf bei Kilometer 39 unterbrechen und kurz gehen, was bis zum Ziel noch zwei weitere Male geschieht. Eine besorgte ältere Frau bietet mir Schokolade an, die ich dankend ablehne.

Kurz vor dem Ziel

Endlich im Ziel

Der rote Teppich, über den ich vor knapp dreieinhalb Stunden bereits gelaufen war, blendet mich seltsamerweise beim Zieleinlauf. Ich reiße mich seit einem Kilometer zusammen und meine Oberschenkel auseinander, da ich so kurz vor dem Ende nicht noch eine vierte Pause einlegen will. Auf den letzten Metern kann ich an nichts anderes denken, als an meine zerschossenen Oberschenkel. Ich beende den Marathon nach 03:25:26, doch damit ist die Strapaze noch nicht ganz vorbei.

Die Schmerzen lassen nicht nach

Der Weg vom Ziel in die Messehalle ist etwa 300 Meter lang, die mir wie der nächste Marathon vorkommen. Selbst wenn ich mich hinsetze, schmerzen meine Beine noch weiter. Ich komme jedoch irgendwie trotzdem an und mir wird eine Medaille in die Hand gedrückt, was sich überraschend gut anfühlt. Tatsächlich geschafft. Mit der Medaille in der Linken und einem Becher Brühe in der Rechten wackel ich benommen zur Kleiderrückgabe, um mich danach mit frischen Klamotten auf den Heimweg zu machen. Als die Schmerzen endlich nachlassen und ein riesiger Berg Essen in meinem Magen ruht, komme auch ich auf meiner Couch zur Ruhe. Am nächsten Morgen kann ich kaum aus dem Bett aufstehen und muss Treppen seitwärts gehen. Wenn ich ruhig sitze und meine Muskulatur nicht anspanne, kann ich aber für etwa fünf Minuten schmerzfrei sitzen, bis sich die Rückseiten meiner Oberschenkel melden. Dieses Zeitfenster nutze ich direkt am nächsten Morgen, um mich für den Hamburg Marathon 2020 anzumelden, mit dem ich noch eine Rechnung offen habe.

Medaille Haspa Marathon 2019

Zusammengefasst

Geplant war, den Marathon in 3:15:00 h zu laufen und den jeweiligen Tempomacher nicht zu überholen. Hätte ich mich an meine errechnete Zeit gehalten und nicht nach 12 Kilometern Gas gegeben, wäre mir das auch vielleicht auch gelungen. Leider habe mich verleiten lassen und meine eigene Leistung überschätzt. Als Ergebnis wurde ich dann ganz klassisch auf Kilometer 32 von dem gefürchteten “Mann mit dem Hammer” erschlagen, was bedeutet dass meine Muskulatur vom Laktat übersäuerte und ich vor Schmerzen nicht mehr laufen konnte. Ich habe den klassischen Anfängerfehler gemacht schneller zu laufen, als es geplant war und bin nach 3:25:24 h ins Ziel gehumpelt. Aber so muss das beim ersten Marathon vielleicht auch sein. Es war trotzdem ein tolles Erlebnis und hat bis zum Hammerschlag auch wirklich Spaß gemacht. Nächstes Jahr trete ich wieder an und bin hoffentlich etwas schlauer und vielleicht sogar etwas schneller.

Medaille Haspa Marathon 2019

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen